"wo vergangenheit, gegenwart und zukunft miteinander tanzen"

Installationen/Rauminszenierungen, Kleist Festtage, Frankfurt (O), 2000
 
 

zwei der grossen Cibachromefotos (100 x 150 cm ), die bei den Installationen verwendet wurden

Seit Menschengedenken kreieren wir unser Verhältnis zu unserer Umwelt und zu uns selbst, konstruieren Welten, in denen wir uns häuslich einrichten - doch plötzlich kommt alles ganz anders.
Die Rauminstallationen von Michael Kurzwelly versuchen eine Beziehung zum Ort Frankfurt (Oder) und seiner Geschichte im Kontext konkreter Orte, wie einer verlassenen russischen Kaserne, einer ehemaligen unterirdischen Fabrikhalle oder dem Grenzübergang Stadtbrücke herzustellen. Gleichzeitig sind sie Metaphern auf globale Konstruktion von Realitäten und deren Verfall. Die Kraft der Arbeiten liegt in ihrer Doppelbödigkeit zwischen Ideologie und Wirklichkeit. Es geht um die Konstruktion von Erinnerung und die Frage nach individueller Identität.
 
 

Oderfruchtkeller
 

Die ehemalige unterirdische Fabrikhalle der Firma Oderfrucht wird durch Säulen gestützt und hat zwei Ausgänge. Die Besucher wurden von der gegenüberliegenden Strassenseite durch einen langen unterirdischen Gang in eine Art Labyrinth geführt, das dadurch entstand, dass die Zwischenräume zwischen den Säulen mit alten Theaterrequisiten zu Wänden aufgefüllt waren. An den einzelnen Stirnwänden befanden sich grosse Farbfotos - Familienporträts, die repräsentativ stehen für jegliche Familiendarstellungen zwischen Ideal und Wirklichkeit.
 
 
 

Russenkaserne - Speisesaal der Soldaten
 
bei der Installation im Oderfruchtkeller wurden grosse Cibachromefotos ( 100 x 150 cm ) zum Thema "Menschnatur" verwendet.

Der Speiseraum wird von vier von Soldaten gemalten Wandbildern dominiert. Alle Bilder stellen unberührte Naturlandschaften dar, die Ausdruck von der Sehnsucht der Soldaten nach ihrer Heimat zu sein scheinen.
In diesen Kontext hinein habe ich mehrere grosse Farbfotografien an den Seitenwänden befestigt. Es sind allesamt Darstellungen von Menschen in Beziehung zur Natur als Bezwinger, Bewunderer.....oder aber die Natur als romantische Kulisse für Idylle.
 

Russenkaserne - Sporthalle
 

Das russische Militär nahm bei der Abreise den gesamten Holzfussboden der Sporthalle mit. Zurück blieben nur die gemauerten Sockel, auf denen ehemals die Bodendielen aufgelegen hatten.
Für meine Installation habe ich auf jeden Sockel eine weissgestrichene Getränkedose gestellt. An den Wänden befinden sich Photos von freudestrahlenden Menschen, die eine ebensolche Dose in der Hand halten.
 

Russenkaserne - Ballsaal der Generäle
 
 

Die Farbe blättert von den Wänden, der Parkettfussboden wurde teilweise abgetragen, aber von der einstigen Erhabenheit des Raumes zeugt noch die Kassettendecke. In diesem Raum wurde gefeiert, gut gespeist und getanzt.
In diesem Raum habe ich ein blutrotes Büffet inszeniert, während grosse Fotos zum Thema Verwesung die Wände zierten und im Hintergrund als Endlosschleife das Musikstück "Kalaschnikow" von Goran Bregovic vom Band lief.