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Author: MichaelKurzwelly

Soziale Plastik

Soziale Plastik

Bis in die Renaissance und darüber hinaus war Kunst Auftragskunst und wurde als eine Art gehobenes Handwerk gesehen. Es entstanden die Berufe Maler, Bildhauer, Grafiker etc.
Auftraggeber waren die Kirche, die Königshäuser und seit der Renaissance reiche Kaufleute. In der Renaissance gehörten noch Kunst und Wissenschaft zusammen, ein gutes Beispiel dafür ist Leonardo da Vinci.
Mit der aufkommenden Industrialisierung und der Trennung zwischen Kunst und Wissenschaft entwickelte sich ein Kunstmarkt mit Galerien, Kunsthallen und Kunstmuseen.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden diese Strukturen immer wieder in Frage gestellt und in Folge auch verändert. Einen wichtigen Beitrag leistete Marcel Duchamp. Er reichte 1917 in der berühmten Armory Show in New York unter dem Pseudonym R.Mutt ein Pissoir mit dem Titel “Fountain” ein, was dann von der Jury und der Öffentlichkeit heftigst diskutiert wurde. Denn plötzlich konnte jedes beliebige Objekt zum Kunstwerk werden, wenn es im Kunstbetrieb landet. Heute geht es in der Kunst nicht mehr um “Handwerk”, sondern um Konzept und Aussage und erst danach spielt das Mittel der Umsetzung eine Rolle.
https://de.wikipedia.org/wiki/Fountain_(Duchamp)
Parallel dazu entwickelte sich die Gruppe Dada als Ablehnung konventioneller Kunstformen, in den 60er Jahren erfolgte mit Fluxus eine zweite Attacke auf den Kunstbetrieb.
Joseph Beuys ist zunächst bei Fluxus mit einigen Happenings aktiv, entwickelt dann aber mit der Sozialen Plastik eine konstruktive Erweiterung des Kunstbegriffes.
https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Plastik
Ich möchte die Soziale Plastik mit einem Bild beschreiben: Stellen wir uns unsere Gesellschaft als einen großen Tonklumpen vor, den wir alle mitformen können. Die so entstehende Plastik ist kein abgeschlossenes Werk, sondern bleibt immer unfertig. Wer sich in diesem Sinne als Gestalter von Gesellschaft versteht und auch so handelt, der ist ein Künstler. So ist auch der Satz von Beuys zu verstehen: “Jeder Mensch ist ein Künstler”

In diesem Sinne ist Słubfurt eine Soziale Plastik, die seit ihrem Entstehen 1999 immer neue Formen annimmt, zu verstehen. Mit dem Słubfurter Parlament wurde 2009 ein Werkzeug geschaffen, das es allen BürgerInnen von Słubfurt ermöglicht, an der Sozialen Plastik Słubfurt mitzuarbeiten. Durch diesen Rahmen wird alles, was sich aus dem Słubfurter Parlament heraus entwickelt zum immanenten Teil der Sozialen Plastik. In diesem Kontext kann auch ein Fußballspiel, Gärtnern und alles, was sich in Słubfurt so entwickelt, dazugehören.

http://www.slubfurt.net/

Tagebuch

Tagebuch

Aus Klee’s Tagebüchern (S. 133):
“Als Übung: Zwecke schaffen, die für viele keine sind – eine Art Etüdenspiel….
Das Individuum, das niemandem dient. Schaffe Dir die Zwecke: Spiele, täusche Dich und andere, sei Künstler.”

Die Kunst ist also nicht zwecklos? Nur schafft der Künstler die Zwecke selbst: Fragen stellen, infrage stellen, behaupten, ausprobieren, Löcher im Gewebe der Wirklichkeitskonstruktionen aufspüren, auseinandernehmen, neu zusammen setzen, auseinander setzen. Nicht in die Schubladen passen, dazwischen sein, mit den Schubladen jonglieren… Malerei, Soziale Plastik, Aktionskunst, Performance, Wortkunst, digitale Kunst, Lebenskunst… mit Messer und Gabel der Gesellschaft ein anderes Spiel spielen.
Relevanz ist dennoch ein Thema, konsequent bleiben im Spiel der von mir selbst geschaffenen Zwecke.

Ausstellung: Wirklichkeitskonstruktion als angewandte Methode

Ausstellung: Wirklichkeitskonstruktion als angewandte Methode

Michael Kurzwelly
Wirklichkeitskonstruktion als angewandte Methode

8. – 18. September 2016

Wir laden herzlich ein zur Ausstellungseröffnung
am Donnerstag | 8. September | um 19 Uhr.

COPYRIGHTprojektraum
Schwedenstr. 16 | D-13357 Berlin
Verkehrsanbindung: U8/U9 Osloer Straße
Öffnungszeiten: Fr + Sa 14:30-18:30 Uhr u.n.V. 
 PRESSETEXT
"Die 'groߟen Wirklichkeiten', die uns anscheinend von auߟen vorgegeben werden, sind 
nur eine Vereinbarung über eine Realität, die wir Menschen uns als Rahmen gegeben 
haben. Aus diesem Grunde können wir durch gezielte Raumumordnungen neue 
Wirklichkeitskonstruktionen erschaffen. Wenn wir dann nach dieser neuen Realität 
leben, manifestiert sie sich quasi als 'self fulfilling prophecy'. " 
(Michael Kurzwelly). 
Ein Beispiel dafür zeigt sich in der Arbeit der "weissen Zone", bei der es sich um 
ein in Brandenburg gelegenes Gebiet von 140 Quadratkilometern handelt, das es nicht 
mehr gibt. Es gibt Wanderkarten, die um diese Fläche des Nichts führen sowie 
touristische Angebote im Zonenrandgebiet. Ein eigens gegründetes Institut hilft bei 
der Vorbereitung auf die Erfahrung des Nichts.
Michael Kurzwelly, der derzeit auch an der Ausstellung "Space Identity" in der 
Tabakfabrik Vierraden beteiligt ist, ist ein Grenzgänger zwischen Polen und 
Deutschland, wohnhaft in Sł‚ubfurt, einer sprachlichen Verbindung von Sł‚ubice und 
Frankfurt/Oder. In seinen Projekten beschäftigt er sich mit Fragen von Identität und Grenze und den dahinter stehenden Strategien. Darüber hinaus geht es ihm in seinen 
Projekten um die Umdeutung gesellschaftlicher Probleme in neue Wirklichkeitskonstruktionen, die  unter Einbezug vieler Akteure in das alltägliche Leben eindringen.